Ich habe mir die letzten Wochen viele Gedanken um Weihnachten gemacht. Es ist ziemlich kommerziell geworden und es geht sehr oft nur noch darum, wer das teuerste Geschenk kauft bzw kriegt. Und so Werbungen wie die von Mediamarkt suggerieren es nur noch mehr. Aber mal davon abgesehen, habe ich mir viel mehr Gedanken um mein eigenes Weihnachten gemacht. Ich wollte mit aller Kraft verhindern, dass ich die Feiertage mit meiner Familie verbringe, denn ich wollte es vermeiden meinen Vater und die Sippe sehen zu müssen. Deswegen habe ich letzten Mitwoch die Zähne zusammengebissen und meine Oma gefragt, ob wir die Bescherung auf gestern verlegen könnten. Und sie hat ja gesagt. Da war ich echt erleichtert und mir fiel ein Stein vom Herz. Da blieb nur noch der Gedanke, dass ich irgendwie die Feiertage alleine überstehen muss. Ob nun vor dem Fernseher oder im Bett wusste ich noch nicht. Aber den Gedanken wollte ich erstmal verdrängen, weil ich wusste, dass ich mich Weihnachten einsam fühlen werde. Als ich noch ein Kind war, war Weihnachten richtig klassisch. Mein Vater ist meißtens mit meiner Schwester und mit rodeln gegangen – sofern Schnee lag – und meine Mutter legte derweil die Geschenke unter den Weihnachtsbaum. Als wir wiederkamen war kurz darauf Bescherung und es war wie in typisch-amerikanischen Filmen. Am ersten Weihnachtstag fuhren wir dann zu meiner Oma (väterlicherseits) und feierten da nochmal mit den Verwandten. Wir spielten dann mit unseren Cousinen und gingen in den Garten zum Schneemannbauen und dergleichen. Am zweiten Weihnachtstag ging es dann zu den anderen Großeltern und da wiederholte sich das Geschehen. Weihnachten war früher für mich ein riesiges Highlight und in der Gegenwart ist es für mich ein einziger Horror, weil ich es mit Familie verbinde und ausser meiner Oma und meinem Onkel möchte ich niemanden sehen. Naja eigendlich hätte ich gerne Kontakt zu meiner Schwester und zu meiner Stiefschwester, aber davon kann ich nur träumen. Wie dem auch sei, die letzten Wochen waren sehr anstrengend für mich, weil ich versucht habe Weihnachten zu verdrängen und das ist sehr schwer, wenn man einkaufen geht bzw durch die Stadt schlendert. Hätte ich vorher gewusst, dass das ein Zuckerschlecken ist zu dem, was mich noch erwartet, dann hätte ich die letzten Wochen einfach genossen und gechillt.
Der Freitag war ja richtig genial. Gegen Mittag besuchte mich Chris und wir quatschten eine Runde. Das haben wir schon länger nicht und ich muss sagen, dass war echt toll und entspannend. Ich weiß nicht so recht, ob er mir die Fortuna-Karte geschenkt hat, weil ich ihm am Mitwoch überraschenderweise mit einem Geschenk überrascht habe oder einfach weil er eine Karte übrig hatte, jedenfalls habe ich mich extrem gefreut, weil ich diese Saison nicht einmal bei einem Spiel meiner Lieblingsmannschaft war. Jedenfalls machte ich mich am Nachmittag fertig und fuhr etwas zu spät hin. Ich kam zwar immer noch pünktlich an, aber es war eine Qual in der U-Bahn gequetscht zu werden und es war jede Menge los an den Eingängen. Naja es war meine eigene Schuld, da Chris mich vorher gewarnt hatte. Auf jeden Fall war das Spiel spannend und nervenaufreibend und wir verloren das erste Mal in dieser Saison – vllt. hätte ich doch Zuhause bleiben sollen, bin ein Unglücksbringer. Zum Glück bin ich morgen nicht bei dem DFB-Spiel gegen den BVB dabei.
Tags drauf holte ich mir dann bei Nadine das Ticket ab, um nach Essen zu fahren. Leider verpasste ich den ersten Bus, daher quatschte ich noch eine Weile mit ihr. Der nächste Bus hatte extreme Verspätung und ich bangte schon um den Anschlusszug. Doch ich hatte Glück und ich kriegte ihn problemlos. Im richtigen Stadtteil angekommen musste ich mich erstmal zurecht finden und ein wenig rumfragen. Aber letztendlich erreichte ich das Krankenhaus ohne Umwege. Als ich Marc mit dieser Art Augenklappe sah, musste ich erstmal an einen Piraten denken, obwohl es wirklich nicht danach aussah. Dann überreichte ich ihm sein Geschenk und wir quatschen ein wenig. Kurze Zeit später klopfte es die Tür und eine Schwester kam rein. Als sie wieder ging, redeten wir weiter doch keine fünf Minuten später klopfte es wieder. Als erstes sah ich seine Mutter und war erleichtert, doch dann sah ich noch P. und K. und erstarrte. Sie schienen aber genauso überrascht zu sein wie ich, wobei vom Gesichtsausdruck zu urteilen her eigendlich noch mehr. Die Begrüßung war dann natürlich sehr steif, aber als wir alle runter in die Caféteria gingen, lockerte sich nach und nach die Stimmung. Doch vorher überreichte ich ihnen noch ihre Geschenke, die ich eigendlich bei Marc abgeben wollte, um eine peinliche Konfrontation zu vermeiden. Sie waren sichtlich überrascht etwas von mir zu kriegen. Auch wenn ich K. schon fast ein Jahr und P. knapp zwei Jahre nicht gesehen habe, heißt das für mich nicht, dass sie deswegen nicht zu meinen Freunden gehören. Jedenfalls quatschten wir alle eine halbe Ewigkeit und ich wurde zu einem Spielenachmittag eingeladen bzw. ich war schon eingeladen ohne es zu wissen. Vielleicht werden wir sogar gemeinsam mit einem Kumpel von den dreien feiern, was mich wirklich freuen würde, da ich bisher noch nichts Festes vorhabe. Es wurde viel gelacht und rumgealbert und ich muss sagen, das es für mich Nostalgie pur war in dieser Konstellation zu sein. Es erinnerte mich stark an früher, als wir Montags alle nebeneinander saßen. Es fehlte nur noch Claudia. Aber ich glaube nicht, dass das nochmal was wird zu fünft.
Aber nun komme ich endlich zu meinem eigendlichen Thema, der Sonntag. Gestern fuhr ich ja zu meiner Oma mit einer Tasche voller Geschenke und ich freute mich. Doch diese Freude sollte sich in alle Richtungen zerstreuen. Als ich ankam, wuselte meine Oma noch ein wenig herum, da sie kurz vorher erst aufgestanden war. Zum Glück musste das Essen nur aufgewärmt werden, denn es gab einen Topf voll Chinakohlsuppe – einer meiner Lieblingsessen bei ihr. Als wir dann alle vier am Essenstisch saßen platzte die Bombe meines Lebens.
Als ich damals anfang 2007 nach Wien zog um dem Stress mit meinem Exfreund zu entfliehen und weil mein WG-Partner auszog und ich nicht in dieser Wohnung alleine leben wollte, empfand ich es als größten Schritt meines Lebens, wobei ich eigendlich nichts zu verlieren hatte ausser meiner Kinderspielzeuge.
Als 2008 mein letzter Exfreund mich fragte, ob ich zu ihm nach Graz ziehen würde und nicht locker ließ, empfand ich es wieder als den größten Schritt meines Lebens, denn diesmal hatte ich sehr viel zu verlieren: meine eigene voll möbilierte Wohnung, meine Ausbildung, bis zu einem gewissen Grad den Kontakt zu meinen Freunden und wie sich bei dem Rückumzug heraustellte, meinen Wellensittich Sasuke, um den ich heute noch trauere.
Doch jeweils von Deutschland nach Österreich zu ziehen ist kein Akt ausser der Entfernung zu den Freunden. Aber das, was ich gestern gefragt wurde, sprengte meine Vorstellungskraft bei weitem. Die drei haben vor kurzem die Idee entwickelt, runter auf die Philippinen auszuwandern und ihr Haus hier zu verkaufen, um ein Startkapital zu haben und als ob das nicht schon Schock genug wäre, fragte meine Oma mich unverblümt, ob ich mitkommen würde. Aus Schock und Schreck und überhaupt sagte ich sofort nein, aber nach dem Essen sprachen wir nochmal in Ruhe darüber und sie erzählten mir mehr von ihrer Idee und deren Vorstellung der Umsetzung. Ich kann garnicht wiedergeben, was in in mir seitdem vorgeht. Ich fühle mich einfach zerrissen. Es war seit ich zurück zu meinen Eltern zurückzog kurz bevor die Grundschule anfing, immer mein Wunsch gewesen wieder bei bzw. mit meiner Oma zu leben. Vor allem habe ich mir zum Ziel gesetzt, sie zu pflegen, wenn sie später irgendwann Unterstützung in ihrem Leben braucht. Da ich zwei Praktika in Altenheimen und ein halbes Jahr der Sozialhelferausbildung hinter mir habe, weiß ich was auf mich zu kommen wird. Es ist zwar was ganz anderes sich um einen Verwandten zu kümmern als wie um einen fremden Menschen, aber genau das war immer meine Motivation. Denn meine Oma ist für mich alles. Sie ist mehr als eine Mutter und Vater für andere ist, weil ich schon so viel schwere Dinge durchlebt habe und sie war da, egal in welcher Form – ob nun als ich Keuchenhusten hatte, finanziell, Judo, Probleme mit meiner Mutter, etc. Ich könnte diese Liste unendlich lang ausführen…
Da ich grade nicht arbeite, habe ich keinen Job zu verlieren. Dort könnte ich was das angeht mehr erreichen, weil ich dann für meinen Onkel arbeiten würde. Ob nun das Verwalten eines Internetcafès, als eine Art Sekretärin oder andere Tätigkeiten. Das spricht beispielsweise dafür, genauso wie die Tatsache, dass ich immer bei meiner Oma wäre, ohne die ich mir ein Leben nicht vorstellen kann, weil sie mein Ein und Alles ist. Ich habe ihr auch schon mehrfach gesagt, wenn ich könnte, würde ich sie heiraten. Weil sie ist für mich nicht nur was Besonderes, sondern alles. Das klingt fast so, als wäre sie in meinen Augen perfekt, aber das ist sie auf keinen Fall. Aber bei ihr habe ich mich immer pudelwohl gefühlt und vor allem geliebt. Genau das, was mir woanders anders fehlt.
Aber die Vorstellung meine Freunde nicht mehr zu sehen und den Kontakt um ein vielfaches runterzuschrauben ist für mich ein enormer Druck, der mich zerfrisst. Auch wenn ich so Menschen wie beispielsweise Kathy und Caro so gut wie nie zu Gesicht kriege, so kann ich mich täglich mit ihnen unterhalten und rumblödeln. Doch allein durch die Zeitverschiebung und der ganzen Arbeit würde das kaum noch möglich sein. Es würde sich dann eher auf E-Mail-Kontakt minimieren und mit etwas Pech würde sich das Ganze im Sand verlaufen. Die Vorstellung treibt mir die Tränen in die Augen. Ich habe meine Freunde extrem lieb und möchte sie auf keinen Fall mehr missen. Und die Vorsttellung nichts mehr mit den Freunden zu unternehmen, die in meiner Nähe wohnen wie z. B. Nadine und Marc ist auch ein Schlag mitten ins Gesicht. Meine Oma meinte zwar, dass ich ja auch neue Freunde kennen lernen würde, aber die Menschen denen ich jetzt mein Herz öffne und die mir ihres öffnen, sind doch viel wichtiger als irgendwelche Fremde, die mal Freunde werden könnten. Mein Herz brennt und ich würde am liebsten die ganze Zeit heulen.
Dann spielten wir wie immer Mensch ärger dich nicht und ich hatte anfangs Probleme bei der Sache zu sein. Doch irgendwann steigerte ich mich absichtlich voll in das Spiel rein, um das andere Thema zu verdrängen und es klappte auch irgendwie.
Als wir dann nachmittags Kuchen aßen und der Freund der beiden runterkam, sagte meine Oma fröhlich “Wir haben noch jemanden für unser Vorhaben gewonnen.”, weil ich die Möglichkeit mitlerweile in Erwägung ziehe wegen der starken Bindung zu meiner Oma. Beim Essen laß ich dann meine beiden Weihnachtsgedichte vor und danach verteilte ich die Geschenke.
Nach der Kaffeezeit spielten wir dann noch eine Runde Phase 10 und ich gewann ausnahmsweise mal. Da freute ich mich, aber da schon 18 Uhr war, wollte ich den nächsten Bus nehmen. Mein Onkel fuhr mich zur Haltestelle und sobald ich im Bus war, sah ich wieder der Realität ins Auge. Das machte mich so stark fertig, dass ich Caro versuchte anzurufen. Da sie aber nicht ranging, guckte ich verkrampft aus dem Fenster und wollte nur noch nach Hause. Dort angekommen war ich total unruhig und konnte keinen klaren Gedanken fassen und glücklicherweise rief sie mich zurück. Ich erzählte ihr alles detailiert und hoffte, es würde mich erleichtern und mir einen Teil der Last von den Schultern nehmen, doch irgendwie wurde dieses Gefühl noch verstärkt.
Später an diesem Abend chattete ich noch eine Weile mit P. und erzählte ihm ebenfalls davon, weil er in meinen Augen ein großer Kritiker ist. Er fand die Idee auch absurd dorthin auszuwandern. Nach ein paar Minuten hatte ich das Gefühl, ich würde meine Emotionen zu diesem Thema nicht mehr unter Kontrolle haben, also wechselte ich ruckartig das Thema. Ich habe mir schweren Herzens überlegt, keiner Person mehr davon zu erzählen, aus Angst loszuheulen und noch verzweifelter zu werden. Ausserdem habe ich Angst, dass keiner – vom diskutieren abgesehen – von meinen Freunden sagt “Bitte gehe nicht (mir zuliebe)!” – Dieser Satz würde natürlich ALLES nur noch schlimmer machen, aber es würde mir zeigen, dass meine Freunde mich ebenso stark brauchen und lieben, wie ich sie.
Das alles tut mir so stark weh, dass ich Bauchschmerzen habe, mein Herz zu zerspringen droht und ich Angst habe, zusammenzubrechen. Ich möchte am liebsten nicht mehr aufstehen und nur noch in meinem Bett liegen. Ob nun weinen oder schlafen, das spielt dabei keine Rolle.
Da ich dazu neige, Themen die mir nahe gehen nur noch anzuschneiden bei Freunden, halte ich es für das Beste mich vorläufig zurückzuziehen. Ich möchte niemandem zur Last fallen und als Kummerkasten benutzen. Es tut mir ja jetzt auch leid, Caro und P. da mit reingezogen zu haben. Am liebsten würde ich jetzt einen Kumpel an meiner Seite haben, der mich in den Arm nimmt und bei dem ich einfach nur weinen kann und der alles still erträgt, ohne mich zu beeinflussen. Ironischerweise läuft grade in meiner Playlist “Revolverheld – Halt dich an mir fest” und das verstärkt diesen Wunsch nur noch mehr.
Vermutlich ist es das Beste die Woche mit Dingen zu überstehen, die mich ablenken und die ich alleine machen kann – so muss ich mich erstmal nicht mit diesem Thema auseinandersetzen…